Konventshaus in Clarholz

    5. Konventshaus

    Konventshaus, Südflügel des mittelalterlichen Klosters, ursprünglich „Refektorium“ und Küche (im Untergeschoss) und Klausur (im Obergeschoss). Seit dem 19. Jhdt. Pastorat, seit 1975 auch Gemeindehaus.

    Die mittelalterlichen Klosterbauten lagen auf der Südseite der Kirche. Davon ist nur das Konventshaus erhalten. Bis 1810/11 war es durch das damals abgebrochene Kapitelhaus mit der Kirche verbunden und bildete mit dem Kreuzgang auf der Innenseite einen Hof, das „Claustrum“. Im Kapitelhaus waren der Kapitelsaal, die Sakristei, das „Skriptorium“ (Handschriftenkammer) und ein Aufgang zum „Dormitorium“ (Schlafraum) im Obergeschoss. Das Konventshaus beherbergte im Untergeschoss das „Refektorium“ (Speisesaal) und die Küche. Es reichte einst weiter nach Westen mit einem großen gotische Fenster im Obergeschoss. Der (abgebrochene) westliche Flügel des Kreuzgangs führte zur Kirche zurück (im Mauerwerk des Turms noch erkennbar). Nach außen schlossen sich die Werkstätten der Laienbrüder und die Wirtschaftsgebäude des Klosters an.

     das Konventshaus (rechts) vom Garten aus gesehen (Foto Christopher Große-Cossmann)

    Nach der Säkularisation (1803) wurde das Konventshaus zum Pastorat umgewandelt. Es nahm die Dienst- und Wohnräume des Pfarrers und von zwei Kaplaneien auf. Die zweite Kaplanei wurde von 1926 bis 1972 als Schwesternwohnung (Thuiner Franziskanerinnen) genutzt. 1973/75 wurde das Konventshaus renoviert. Anstelle der Kaplaneien richtete man Gemeinderäume ein. Im oberen Saal fanden die verbliebenen Bände der Klosterbibliothek Aufstellung. Auch befindet sich dort eine Dokumentation der Kloster- und Pfarrkirchengeschichte.

    Im Zusammenhang mit der Restaurierung der Kirche 1955/59 wurde die Sakristei um einen zweiten Raum in Höhe des südlichen Querhauses und einen gemeinsamen Eingangsbereich erweitert. in die westliche und südliche Außenwand sind drei leidlich erhaltene Grabplatten eingemauert, die man damals vom Fußboden des Kircheninneren aufgehoben hat.

    Die beiden Epitaphien auf der Westseite (neben dem Katharinenfenster) erinnern daran, dass die Adelsfamilien von Haus Geist im Kirchspiel Oelde und von Haus Nottbeck im Kirchspiel Stromberg während des 15. und 16. Jahrhunderts durch vielfältige Stiftungen mit Clarholz verbunden waren und die Klosterkirche als Begräbnisplatz erkoren hatten. Das linke Denkmal zeigt, auf einem schlafend zusammengekauerten Löwen stehend, den 1541 verstorbenen Ritter Wilhelm von Nesselrode, Herr auf Haus Palsterkamp im Kirchspiel Dissen und Gemahl der Anna von Oer zu Geist, im Plattenpanzer mit mächtigem Schwert die Hände über dem Knauf gesammelt. Die Großelternwappen Nesselrode-Buck zu Häupten sind zwar abgetragen, die Großelternwappen Landsberg-Busche am Grunde aber einigermaßen erhalten, nicht minder die Umschrift »A[nno Domini X]Vc.XLI. up den twolften Dach Maents Februarii [starff] de walgeborne Wyllem Oer salige, Frygher to Renenberch, Her to Erensteyn und Palserkamp; de Seylen Godt [genedich sy], amen«

    Daneben befindet sich der Grabstein seiner Schwiegertochter Dorothea von Bodelschwingh aus dem Hause Mengede, seit

    1503 mit Wilhelms und Annas Sohn Bertram († 1521) verehelicht und noch vor ihren Schwiegereltern 1528 verstorben. Dorotheas Grabstein stellt eine Frau mit betenden Händen dar, den Großelternwappen Bodelschwingh-Heyden und Horst-Loe, dazu diese Erklärung: »Anno Domini XVc XXVIII up D[ach de]collationis Joannis Baptiste starff de erbare unde dogent[same Dorothea] von Bodelswynge, Wedue von Nesselrade, Erssmarschalcklinne des Lan­ des von den Berge, Frygfrowe to Wisten unde Palserkampe, [Frowe to Geist,] der Godt genedich sy, amen.« 

    Die Grabplatte in der Südwand der Sakristei zeigt gleichfalls eine betende Frau. Von der Inschrift ist nur das Wort »Widive« am unteren linken Rand lesbar geblieben und offenbart, dass diese Frau ihren Mann überlebt hat. Alles andere einschließlich der Wappen ist stark abgetreten, die Nase beschädigt. Stilistisch ist dieser Grabstein von Renaissanceformen geprägt und somit eindeutig jünger als die beiden zuvor beschriebenen Epitaphien. Franz Flaskamp wollte ihn der Tochter Bertrams von Nesselrode und Dorotheas von Bodelschwingh zuordnen, Sophie von Nesselrode (1515 bis

    1591); doch ist deren Grab an der Seite ihres Mannes Franz von Loe in der Pfarrkirche zu Weeze am Niederrhein erhalten. Die Identität der verewigten Dame ist wahrscheinlich nicht mehr zu klären.

    Vor der Südwand des Langhauses der Kirche ist das einzige erhaltene Epitaph eines Clarholzer Propstes aufgestellt. Der witterungsanfällige Baumberger Kreidekalk lässt noch die Gestalt eines mit betenden Händen dargestellten Geistlichen in Mantel und Birett erkennen. Der lückenhaften lnschrift zufolge ist es der Propst Hermann von Baeck zu Grevinghof im Kirchspiel Beelen, der das Kloster von 1487 bis 1511 leitete.